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Systemverkehre smarter steuern

Mit dem Handling von Wechselbrücken sowie eng getakteten Linien- und Systemverkehren hat sich die W. Wienkämper GmbH aus dem niedersächsischen Melle klar am Markt positioniert. Digital optimierte Prozesse sollen den Erfolg von morgen sichern. Dabei setzt das Transportunternehmen auf das Telematiksystem von Krone.

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ine pechschwarze Nacht, dazu Dauerregen und unangenehm kühle Temperaturen. Unter diesen Bedingungen wird die Suche nach der richtigen Wechselbrücke auf dem dicht beparkten Betriebshof schnell zum Geduldsspiel. Und Geduld zählt bekanntlich nicht zu den ausgeprägten Stärken von Logistikern. „Wenn eine Tablet-App in Zukunft unserem Fahrer anzeigt, wo genau die gesuchte Wechselbrücke am Depot abgestellt ist, haben wir unsere Ziele erreicht: mehr Effizienz dank der Zeitersparnis, eine Entlastung unserer Fahrer durch die Beseitigung von Stressfaktoren und gleichzeitig die Sicherstellung unserer hohen Transportqualität“, erläutert Felix Wienkämper, der im Familienunternehmen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich ist. Auch wenn die smarte Steuerung der Wechselbrückenaufnahme noch wie Zukunftsmusik klingt, sei es wichtig, jetzt die ersten Voraussetzungen zu schaffen: „Wir können nicht warten, bis die Technologie ihr Optimum erreicht hat und alles autonom läuft, sondern müssen heute starten – Schritt für Schritt.“
                 
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„Egal welche digitale Strategie ein Unternehmen verfolgt – sie funktioniert nur, wenn man sie konsequent umsetzt.“

 
Felix Wienkämper
 


Auf Telematik gesetzt

Die über 1.000 Wechselbrücken des Transportunternehmens sind daher bereits seit Jahren vollständig mit Telematik ausgestattet, um eine jederzeitige Ortung und Identifikation zu ermöglichen – zunächst mit den Modulen eines anderen Anbieters, seit zwei Jahren mit dem Telematiksystem von Krone. W. Wienkämper bezieht sein mobiles Transportequipment seit Jahrzehnten von Krone, daher sei das neue Angebot rasch auf offene Ohren gestoßen. „Die Einbindung der bereits vorhandenen Telematik sowie die Bereitschaft zur weiteren gemeinsamen Entwicklung haben den Ausschlag gegeben“, erklärt Felix Wienkämper weiter. „Wir sind mit unserer herstellerunabhängigen Plattform offen für Fremdsysteme und haben den Anspruch, Daten genau dort zur Verfügung zu stellen, wo sie für den Erfolg der Transportunternehmen benötigt werden“, bestätigt Maximilian Birle, Leiter für Vertrieb & Service Telematics und digitale Dienstleistungen bei Krone. „Die Entwicklungspartnerschaft mit W. Wienkämper gibt uns wiederum wertvolle Impulse und Erfahrungen aus der Praxis.“
                       
Maximilian Birle, Leiter für Vertrieb & Service Telematics und digitale Dienstleistungen bei Krone, setzt auf die enge Entwicklungspartnerschaft.
Maximilian Birle, Leiter für Vertrieb & Service Telematics und digitale Dienstleistungen bei Krone, setzt auf die enge Entwicklungspartnerschaft.
                                      
Um die Komplexität der Linienverkehre digital abbilden zu können, sind funktionierende Schnittstellen zwischen den Systemen unerlässlich. Perspektivisch soll es daher möglich sein, Telematikdaten nahtlos ins Transportmanagementsystem zu übertragen. Felix Wienkämper: „Die Kunst liegt darin, die Daten auf einer Plattform zusammenzubringen und Nutzwerte daraus zu ziehen – für unsere Kunden, unsere Fahrer und unsere Disponenten.“ Zu ersten konkreten Ergebnissen der Zusammenarbeit zählen die Konsolidierung der verschiedenen Systeme auf dem Krone Telematics Portal und eine Eigenprogrammierung, mit der Wienkämper die Verteilung der Wechselbrücken auf die verschiedenen DPD-Depots steuern kann.


Qualität sichern

Denn das Transportunternehmen fährt nicht nur für den Paketdienstleister, sondern ist darüber hinaus eng in dessen Netzwerk- und Tourenplanung eingebunden. So sind beispielsweise laufend wechselnde Vorgaben zu erfüllen, wie viele Wechselbrücken am jeweiligen Depot benötigt werden. Die Organisation der Linienverkehre mit Schwerpunkt auf Deutschland, Frankreich, Benelux und Polen ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die viel Erfahrung erfordert. Die Spezialisierung des in dritter Generation geführten Familienunternehmens ist dabei eng mit der Entwicklung der KEP-Branche verknüpft. Seit der DPD-Gründung im Jahr 1976 betreibt W. Wienkämper die System- und Linienverkehre, hat sich eine hohe Kompetenz im Handling der Wechselbrücken erarbeitet und ist sukzessiv gewachsen. Vom E-Commerce-Boom der vergangenen Jahre und dem damit verbundenen Mengenwachstum hat auch die Spedition profitiert. „Allerdings wachsen gleichzeitig die Ansprüche der Kunden an effiziente Prozesse und eine zuverlässige Belieferung. Dies ist ein weiterer Grund, warum digitale Technologien zur Qualitätssicherung für uns heute unverzichtbar sind“, so Felix Wienkämper weiter.
                    

PROFIL

Die W. Wienkämper GmbH bietet seit mehr als 90 Jahren nationale und internationale Transportdienstleistungen an. Mit der DPD-Gründung im Jahr 1976 begann das Unternehmen, Wechselbrücken für den Paketdienstleister zu befördern. Eine klare Positionierung und die Spezialisierung auf Linien- und Systemverkehre bildeten die Basis für ein kontinuierliches Wachstum. Heute zählen über 1.000 Wechselbrücken und 160 Gliederzüge zur Flotte. W. Wienkämper wird in dritter Generation von der Familie geführt und beschäftigt über 250 Mitarbeiter.

www.wienkaemper.com
            

Jede Veränderung hat naturgemäß im laufenden Betrieb zu erfolgen, ohne dass das Tagesgeschäft beeinträchtigt werden darf. Die Strategie lautet daher, umfassende Zielsetzungen auf Etappen und einzelne Maßnahmen herunterzubrechen. Ein aktueller Schritt: Seit Herbst 2021 werden die Fahrer sukzessive mit Tablets ausgestattet, bis Sommer dieses Jahres wird der Roll-out abgeschlossen sein. Das mobile Endgerät soll im Tagesgeschäft entlasten und für die Fahrer zahlreiche Routineaufgaben vereinfachen – von der Übermittlung der nächsten Tour bis zu Schichtberichten, der Urlaubsplanung oder Spesenabrechnungen. Basierend auf den ersten Erfahrungen wird die Benutzeroberfläche laufend optimiert, um eine intuitive und sichere Handhabung der App sicherzustellen.
             
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Nutzen für die Mitarbeiter

Erleichterungen bringen die digitalen Prozesse auch für die Disposition. Wenn nur noch ein Telematikportal zu bedienen ist, trägt dies bereits erheblich dazu bei, die Komplexität zu verringern. Das betrifft die Tourenplanung genauso wie beispielsweise die Einhaltung von Terminen laut Unfallverhütungsvorschrift (UVV). „Über 1.000 Wechselbrücken kann man manuell gar nicht mehr steuern“, unterstreicht Felix Wienkämper weiter. „Digitale Technik entlastet somit unsere Mitarbeiter und beseitigt unnötige Stressfaktoren für sie.“ Davon verspricht sich das Unternehmen mehr Effizienz sowie eine positive Wirkung, um bestehende Mitarbeiter zu binden oder neue zu gewinnen. Auch die Einarbeitung neuer Fahrer und Disponenten lasse sich so einfacher und zielführender gestalten. Und schließlich unterstützen optimierte Prozesse die Nachhaltigkeitsziele des Transportunternehmens, etwa durch einen effizienteren Ressourceneinsatz oder die weitere Reduzierung von Leerkilometern.


Digitalisierung konsequent umsetzen

Hohe Anforderungen auf Kundenseite, notwendige Investitionen in die Digitalisierung, eine weiterwachsende Komplexität – diese Entwicklung kann aus Sicht von Felix Wienkämper zu einem Verdrängungsmarkt führen: „In zehn Jahren wird unser Geschäft ein vollkommen anderes sein als das, was wir heute machen.“ Umso wichtiger sei es, die Chancen zu erkennen und aktiv zu nutzen: „Egal welche digitale Strategie ein Unternehmen verfolgt – sie funktioniert nur, wenn man sie konsequent umsetzt.“ Die Ausdauer für eine schrittweise Umsetzung dürfte sich auszahlen – spätestens dann, wenn Fahrer bei regennasser Nacht nicht mehr lange suchen müssen, sondern mit digitaler Hilfe direkt zur richtigen Wechselbrücke gelotst werden.
                 
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Fotos: Steffi Behrmann Fotografie

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